18.02.2016

Zeit ist ein Wert

Den Spruch “Zeit ist Geld” fand ich schon immer doof. Spätestens seit ich beruflich im Senegal unterwegs bin, habe ich gelernt, dass Zeit ein Wert ist. Jetzt gibt es sogar Zeitpolitik. Warum ich das wichtig finde und worauf es mir dabei besonders ankommt.

Zeitpolitik – eine Luxusdebatte?

“Also mal ehrlich – Zeitpolitik?! Habt ihr sonst keine Probleme, ihr Grünen? Und dafür fährst Du ein Wochenende auf den Bundesparteitag?!” So in etwa reagieren Menschen, die sich in ihrer Freizeit mit anderen Dingen als grüner Politik beschäftigen, auf eines meiner aktuellen Lieblingsthemen. Und es stimmt ja auch so ein bischen: Zeitpolitik klingt sperrig, theoretisch, abgehoben. Eine Debatte für Leute, die viel Zeit haben und damit nix anzufangen wissen. So einigermaßen weit weg vom wirklichen Leben.

Lebenszeit – der pure Luxus!

Dennoch geht es alle an, denn wer beschwert sich nicht über – meist zu wenig – Zeit? Mein persönliches Unwort der “Work-Life-Balance” überspringen wir an der Stelle gleich mal. Als hätte Arbeit nichts mit dem Leben zu tun und es müsste sich gegenseitig ausgleichen.

Daher trifft meines Erachtens auch der Begriff Arbeitszeitpolitik nicht den Kern. Denn hier geht es nicht nur um die Zeit, die man mit Arbeit verbringt. Problematisch sehe ich hier eher die stetige Verdichtung, den Trend zur ewigen Erreichbarkeit, die Erwartung an immer mehr Tempo in Reaktion und Bearbeitung. Fürs Nachdenken fehlt dann auch mal die Zeit. Das klingt nicht nur ungesund, das ist es auch.

Es geht auch nicht allein um Familie – auch Menschen ohne Kinder haben ein Leben neben der Arbeit! Und schon gar nicht gehört die Zeitpolitik in die Frauenecke! Nein, Teilzeit und Familienarbeit betrifft mitnichten nur Frauen.

Mir ist wichtig, Zeit als Wert zu begreifen. Als etwas wertvolles, unwiderbringliches, sehr persönliches. Je nach Phase gibt es unterschiedliche Schwerpunkte und Bedürfnisse, je nachdem, was das Leben gerade so bereit hält, an geplanten, an überraschenden, an schönen, an schweren Dingen. An Begegnungen und Aufgaben, Entdeckungen oder Verlust. Und es sollte möglich sein, seine ganz persönliche Zeiteinteilung  und -bewertung je nach Situation finden zu können.

Zeit fürs Ehrenamt. Und fürs Nichtstun.

In der Freizeit die Fußballmannschaft trainieren, im Stadtteil die Kulturwoche organisieren oder sich in einer Partei oder Bürgerinitiative politisch engagieren – das sind Dinge, für die sich viele Menschen mehr Zeit wünschen, in die sie selbst viel Zeit und Herzblut stecken, und für die manchmal sogar Anerkennung gezollt wird (wenngleich durchaus zu selten).

Versuchen Sie mal, eine Einladung abzulehnen oder einen Abendtermin sausen zu lassen mit der Begründung: Oh tut mir leid, heute kann ich nicht, da mach ich nichts. Wetten, dass alle glauben, Sie hätten doch Zeit? Ich würde mir sehr wünschen, auch mal nichts tun zu dürfen. Ohne Begründung. Ohne eigentlich. Ohne weil. Einfach so.

Politischer Rahmen

Dafür braucht es einen gewissen politischen Rahmen. So flexibel und individuell wie möglich, so bestimmend wie nötig. Erlaubt ist, was gelebt wird. Die Debatte ist noch am Anfang, mögliche Maßnahmen weit weg von vollständig. Vielleicht ist ja gerade das der besondere Wesenszug der Zeitpolitik: Sie muss sich verändern, will sie mit der Zeit gehen. Hier wünsche ich mir eine vielfältige Debatte, offen für neue Denkanstöße, für Unkonventionelles, für Modelle im Baukastenprinzip. Und für die ganze Gesellschaft: für Männer, Frauen und alle *, für Angestellte, Selbständige und Nicht-Erwerbstätige, für Menschen mit und ohne Kinder.

Gründen ist eine feine Sache. Grün gründen ist großartig. Und verdient Unterstützung. Was genau wir Grüne vorhaben, war Teil des Antrags „Grüner wirtschaften – Klima schützen“ auf dem Bundesparteitag in Halle. Mit mehr Losglück wäre das mein Redebeitrag gewesen:

Liebe Freundinnen und Freunde,

in unserem Antrag „Grüner Wirtschaften“ widmen wir ein Kapitel den Gründungen innovativer Unternehmen. Das ist richtig und wichtig, um auch die Wirtschaftswelt ein Stück grüner zu machen. Und es passt gut zu unserem Motto „Mit Mut im Bauch.“

Ja, gründen braucht Mut.

Ich bin Unternehmerin. Vor acht Jahren habe ich meine Anstellung in einer großen Firma gekündigt und mein eigenes Unternehmen gegründet. Ich wollte Strom nach Afrika bringen, in den Senegal. Strom aus Erneuerbaren, klar. Erst in Dörfer, dann für Gewerbegebiete. Für Jobs und Einkommen vor Ort.

Es gibt einfachere Geschäftsmodelle als meines.

Rede BDK15Aber ich tue, was ich tue, bis heute mit aller Leidenschaft, nicht trotz, sondern wegen aller Höhen und Tiefen, die zum Unternehmertum nun mal gehören. Und ich will nichts davon missen!

Solarstrom für Senegal – das klingt nach „grünem Wirtschaften“, und das ist es ja auch. Die meisten finden das jetzt wahrscheinlich spannend, oder „mal was ganz anderes“ – das sind die häufigsten Reaktionen, wann immer ich davon erzähle.

Dicht gefolgt von: Und wenn das schief geht? Ist das nicht total unsicher? Ach das dauert doch bestimmt ganz lang, bis da was läuft.

Die meisten Unternehmer-Kolleg*innen sagen: Das gehört zusammen!

Was heißt denn „Unternehmertum“?

Am besten finde ich die Beschreibung meines Mentors Thomas Göller, ich zitiere:

„Es geht um den Mut, Dinge zu tun, die viel Vorbereitung und Planung brauchen. Es geht um den Mut, Dinge anzupacken und zu tun. Es geht um den Mut, Neues zu wagen und dabei das unternehmerische Risiko zu minimieren. Auf die Gefahr hin zu scheitern.“

Wer versteht das besser als wir Grünen? Wir sind oft den ersten Schritt gegangen, meistens allein. Wir sind hingefallen und wieder aufgestanden, um den gerne langen Weg immer weiter zu gehen. Gegen den Strom, mit Gegenwind – Wir können dicke Bretter bohren!

Und deshalb ist es auch so logisch: Wir wollen innovative Gründungen unterstützen. Wir wollen ermutigen, neue Wege zu gehen und Geduld zu haben.

Im Senegal sagt man: Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Schön, oder? Das hilft mir oft, geduldig zu sein. Wenn ich aber sehe, dass das Gras immer weniger wird, weil der Klimawandel so kurz überm Äquator schon mal härter und unerbittlicher anklopft als bei uns, dann hab ich keine Geduld. Dann hab ich Wut im Bauch!

Aber zurück zu unseren Gründungen.

Gute Anreize zu gründen wären aus meiner Sicht eine fachliche Begleitung, vor allem der vielen „All-in-one-Unternehmer*innen”. Und eine soziale Absicherung für Start-up-Unternehmen.

In den USA ist es übrigens leichter, Investoren zu finden, wenn man schon mal eine Pleite hingelegt hat. Weil man dann wüsste, welche Fehler man besser nicht noch mal macht.

Ich wünsche mir eine Gründerszene, die auch einen zweiten Anlauf cool findet.

Und in der man dabei nicht alleine ist. Wenn es auch bei uns gesellschaftlich anerkannt wird, dass nicht jede Gründung klappt, wären vielleicht mehr Leute gründungswillig.

Hier können wir Grüne mit den richtigen Instrumenten und mit gutem Beispiel vorangehen. Denn von langem Atem verstehen wir was!

PS: Das Foto im Beitrag stammt von Peter Heilrath und von meiner Rede zur Zeitpolitik. Danke für den Klick im richtigen Moment, lieber Peter!

21.10.2015

Grüne Asyldebatte

Die Asyldebatte bewegt uns Grüne. Sie geht ans Herz, sie geht an die Seele, sie geht an unsere Grüne Seele. Auf dem Grünen Landesparteitag in Bad Windsheim habe ich drei Punkte angesprochen, die mir dabei besonders wichtig sind:

1. Fair und sachlich streiten

Wir Grüne waren immer eine streitbare Partei, und das wird auch hoffentlich so bleiben. Wir ringen um Positionen, das gehört einfach zu uns. Das macht uns stark. Es macht die Grünen zu meiner Partei.

Was ich allerdings nicht teile, sind Vorwürfe gegen unsere Abgeordneten, Entscheidungen würden leichtfertig getroffen, ohne Rücksicht auf Verlust unserer Grundwerte.

Man mag in der Thematik zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, das ist nur legitim. Aber glauben – und glauben machen – dass unsere Leute im Bundestag oder in Regierungsverantwortung in den Ländern gerade in der Asyl- und Flüchtlingsfrage auch nur im Ansatz leichtfertig abstimmen, geht an der Sache weit vorbei. Und ist kein Umgang, den wir pflegen sollten.

Gerade weil es um Lösungen geht, die den Flüchtlingen helfen: Das geht nur gemeinsam und fair!

2. Präzise benennen

Die politische Argumentation ebenso wie sinnvolle Lösungswege für Geflüchtete und Einwandernde erfordert die klare Trennung der zwei Begriffe “Asyl” und “Einwanderung”. Da geht in der öffentlichen Debatte gern mal alles munter in einen Topf. Und raus kommt allzu oft: “Asylmissbrauch”.

Wie aber kann ich etwas missbrauchen, das die einzige Tür in unser Land ist? Daher ist “Asylmissbrauch” ein Unwort, das genau dann keine Berechtigung mehr hat, wenn es einen zweiten Weg gibt, zu uns zu kommen! Und diese zweite Tür per Einwanderungsgesetz ist jetzt offen. Dank unsrer Grünen, die das mit verhandelt haben.

Bei der Integration treffen sich dann die Wege wieder. Das ist eine gemeinsame Aufgabe, bei der es egal ist, ob eine syrische oder eine albanische Familie jetzt bei uns zu Hause sein will.

Es gibt viele Gründe zu fliehen:

  • vor Krieg und Verfolgung: wir nennen es Kriegsflüchtlinge.
  • vor fehlenden Perspektiven und Armut im eigenen Land: wir nennen es Wirtschaftsflüchtlinge. Dabei fliehen die Menschen eher vor der nicht vorhandenen Wirtschaft, sie fliehen vor der Ungerechtigkeit zu uns!
  • vor Dürre und ausbleibenden Ernten: wir nennen es Klimaflüchtlinge.

Bei Lichte betrachtet verursachen die dominierenden Staaten in diesem Wirtschaftssystem den Großteil der Klimasünden, und leider auch so manche Ungerechtigkeit.

Wenn wir die Fluchtursachen bekämpfen, dann hat das auch was mit unserem Wirtschaftssystem und unserem Konsumverhalten zu tun. Das können und müssen wir vor der eigenen Haustür verändern!

3. Europäisch denken

Deutschland ist stark, Deutschland ist mächtig. Da sollte es doch möglich sein, andere EU-Staaten mitzunehmen auf diesem Weg, mit allem nötigen politischen Druck! Hier erwarte ich klare Ansagen von unserer Kanzlerin.

Und hier sehe ich uns Grüne federführend: Denn auch Europa gehört zu unserer Grünen Seele!

PS: Zur Rede gab es nur handschriftliche Stichpunkte. Und wie immer zu wenig Zeit. Daher stehen im Blog auch andere Sätze als ich tatsächlich gesagt habe. Und zwei, drei mehr, als in der Redezeit Platz hatten. Sobald ich einen Videomitschnitt organisiert habe, stelle ich ihn hier per Link ein!

Ich blogge wirklich selten spontan. Heute muss ich. In der SZ von heute steht gleich auf der ersten Seite zu lesen: „Die anhaltend hohen Flüchtlingszahlen lassen in Deutschland den Ruf nach einer Kursänderung in der Asylpolitik lauter werden …Mitglied der SPD-Fraktionsspitze …Ende der ungesteuerten Zuwanderung… „Wir sind am Limit“

Bisher hat diese Tonart die CDU belegt, allen voran ihre „Schwesterpartei“ CSU. Familie kann man sich nicht aussuchen. Oder doch? Noch eine Partei mit dieser Intonation braucht`s nun wirklich nicht!

Dann heißt es weiter: „Die EU-Außengrenzen müssen möglichst dichtgemacht, das heißt gesichert und kontrolliert werden“. Alle europäischen Länder müssten für diesen „Kraftakt“ zusammenarbeiten.“

Liebe SPD Fraktionsspitze, es braucht ein europäisches Handeln, keine Frage. Alle Länder sind gefragt zu helfen. Nur:

Grenzen dicht machen hilft nicht! Weil es nicht an die Ursachen geht.

Nicht an die für den Krieg in Syrien (Waffenexporte kann man auch verbieten für die nächsten Jahrzehnte. Ausnahmslos.), nicht für die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“ (Wenn durch die Fangquote für die europäischen Flotten vor der westafrikanischen Küste nichts mehr für die lokalen Fischer übrig bleibt, ist die Quote falsch bemessen und eine Armutsbeschaffungsmaßnahme! Wenn jetzt Fischer, die keine Fische mehr finden, ihre Boote umfunktionieren, um überleben zu können, ist das kein Wunder. Es ist das Echo, das an den Stränden der Kanaren landet! In Europa nennt man das „Geschäftsfeldanpassung“)

Es steht schon auch im Artikel „Zudem sollen die Fluchtursachen bekämpft … werden“. Nächster Satz spricht von „keine schnellen Ergebnisse“.

Wir haben es verpennt, zu lange zugesehen, zu wenig Leidensdruck gehabt. Das ist das, was ich da rauslese. Und ich schäme mich für dieses Wegschauen, für das Baden im eigenen Wohlstand, für dieses „noch ist deren Problem größer als meines“. Und wenn es dann doch zu uns kommt, dieses „Problem“ – wir erinnern uns, hier kommen Menschen an, die vor dem Krieg in ihrer Heimat flüchten – dann ja dann legen wir viel Energie darauf, die Grenzen zu sichern. Es ist kaum auszuhalten.

Im wahrsten Sinne P.S., weil es mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf ging:

Wenn wir mit irgendwas am Limit sind, dann mit den Kapazitäten der Ehrenamtlichen, der Freiwilligen und der Kommunen, die aufgefangen haben und immer noch ausgleichen. Die gottlob einfach machen, weil es nötig ist, während zuständige Minister immer noch staunend vor den Zahlen sitzen und die Lösung an den Außengrenzen der EU suchen, die es abzusichern gilt. Damit nicht am Ende doch noch sie es sind, die Verantwortung übernehmen und handeln müssen.

Kennt Ihr noch das Kinderspiel “Reise nach Jerusalem”? Ein Stuhl weniger als Kinder stehen in der Mitte, alle laufen zu Musik im Kreis um die Stühle herum. Und wenn die Musik stoppt, müssen sich alle setzen. Wer keinen Stuhl findet, scheidet aus. Und wer den letzten Stuhl erwischt, ist Sieger. So ungefähr soll das wohl laufen, wenn man Herrn Uhl so zuhört: Erst raus aus Deutschland, dann aus Österreich, immer ein Land weiter. Bis zum Mittelmeer. Nur dann haben alle das Spiel verloren.

23.09.2015

München menschelt.

Was haben Top-Redner und Grüne gemeinsam? Eine Matinee am Sonntag, 27.9., 11-13h im Ampere. Was verbindet sie? Das Bedürfnis, Menschen für Ihr Engagement und ihre Menschlichkeit zu danken. Und gemeinsam weiter zu denken, wie Integration über den Tag hinaus gelingt.

Wie alles begann.

Plakat_Matinee-Muenchen-menschelt_Groesse-A4Es war ein facebook-Posting, eines von der Sorte, das ich mir manchmal selbst schreibe. So als persönliches Memo, das ich mit “öffentlichem Druck von außen” leichter durchhalte. Inhalt: Heuer kein Wiesn-Besuch, dafür mehr Zeit für politische Arbeit zu Flucht und Migration. Das gab viele Likes in kurzer Zeit – und einen Impuls von Sabine Asgodom. Für was gemeinsames. Sie würde mich unterstützen.

Ja gerne! Dann suchen wir doch einen freien Termin, an dem wir beide können, buchen einen Raum dazu, engagieren Mitstreitende für die Bühne und im Publikum, finden eine Finanzierung, und dann steht alles.

Eine Sonntags-Matinee mit 10 Tagen Vorlauf?!

Klingt irre, war es auch. Aber eigentlich und bei Lichte betrachtet: Das ist nichts im Vergleich zu den vielen engagierten Freiwilligen, die innerhalb kürzester Zeit alles aus dem Boden gestampft haben, was für die Erstaufnahme und Unterbringung von zehntausenden Flüchtenden nötig war! DAS ist der Maßstab, und vor dieser Leistung ziehen wir unseren Hut. Mit einer Matinée.

“München menschelt” im Ampere vom Muffatwerk

Die Initiative “Reden für Meschlichkeit” bringt Profi-Redner auf die Bühne, mittendrin erzählen Helfende, Betroffene, Engagierte aus den verschiedensten Initiativen, warum sie tun, was sie tun, was sie dabei erlebt haben, was sie am meisten geprägt hat. Und was jetzt fehlt, um den Schutzsuchenden langfristig vom ersten “Willkommen” zum gelungenen “zweiten Zuhause” zu verhelfen. Mit musikalischem Rahmen und charmanter Moderation. Und freundlicher Unterstützung des Ampere.

Mein Dank gilt einem tollen Team!

Programm-Matinee-Muenchen-menschelt_Groesse-A4So was stemmt man nur mit vielen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen: Menschen für Ihr Engagement und ihre Menschlichkeit zu danken. Und gemeinsam weiter zu denken, wie Integration über den Tag hinaus gelingt.

Ich bedanke mich beim Vorstand und dem Stadtbüro der Münchner Grünen, bei allen Mitwirkenden am kommenden Sonntag, bei den vielen Initiativen und ihr Engagement in den letzten Wochen. Und ich freu mich auf viele Ideen und Impulse, wie wir den eingeschlagenen Weg weiter gehen.

Gestern hätte der Beitrag noch geheißen “Wo (k)ein Wille, da auch (k)ein Budget”: Der G7-Zaun darf pro Meter gern 285 Euro kosten und kann nach drei Tagen wieder weg. Aber 140 Euro Taschengeld pro Flüchtling und Monat – das ist dem reichen Bayern zu viel. Heute kommt es mir so vor, als rege ich mich hier buchstäblich über “Peanuts” auf. Denn immer, wenn man denkt, selbst Horst kann nicht schlimmer, fällt ihm noch was Absurderes ein.

Täglich kommen hunderte Flüchtlinge in Bayern an, nach strapaziöser Flucht unter unvorstellbaren Umständen, voller Hoffnung, bei uns Unterstützung und Ruhe zu finden. Wer sein Land verlassen muss, weil er oder sie politisch verfolgt wird, oder weil dort Krieg herrscht, macht sich nicht freiwillig auf den Weg. Es ist eine traumatische Erfahrung. Und es ist mir unverständlich, warum es unser Land nicht schafft, diesen Menschen einfach zu helfen, wenn sie Hilfe am nötigsten brauchen.

Wir haben für so vieles Regeln in diesem Land, und nicht alle sind sinnvoll: Mit welchem Notenschnitt welche Schule “die richtige” ist. Wo wie lange geparkt werden darf und ob längs oder quer zur Fahrtrichtung. Und wie viel Mehrwertsteuer auf das Sandwich zu entrichten ist, wenn es auf der Terrasse verzehrt wird und nicht im Gehen.

Und für Asylsuchende? Gibt es kein Einwanderungsgesetz, aus dem einfach nur hervorgeht, wann wer wie lange bleiben darf.

Statt alle Energien darauf zu setzen, ein solches Gesetz zu initiieren, spielt Horst mit dem Feuer und übt sich in verbaler Brandstiftung – zu den realen Brandstiftungen in Asylunterkünften schweigt er. Beharrlich. Man muss schon sehr zynisch unterwegs sein, wollte man seinen neuesten “Coup” mit den Abschiebeheimen unter “Vorsichtsmaßnahme” verbuchen. Damit sich die armen Menschen nicht erst eingewöhnen und dann womöglich enttäuscht wieder zurück fahren müsen. Es ist einfach unwürdig, entwürdigend, ja widerlich. “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Mit der Verfassung hat er’s nicht so, der Herr Ministerpräsident.

Er erfährt durchaus Lob dafür. Vom Pegida-Gründer. Dazu fällt mir kein passendes Wort mehr ein. Aber es musste raus. Danke fürs Lesen.

Drei Worte, mehr befand der Kontrolleur offenbar nicht für nötig: “Ticket? Passport? Polizei!” Und schon war er draußen mit dem jungen Afrikaner, der kaum verstand, was da passierte. Ich verstand die drei Worte, ich verstand den Subtext. Und ich war sprachlos. Das war keine normale Ticketkontrolle in der S-Bahn, das grenzt an Racial Screening. Polizeistaat-Feeling. Schleierfahndung.

In S- und U-Bahnen werden in letzter Zeit verschärft Fahrkarten kontrolliert, mir persönlich wurde in den letzten Tagen schon zwei Mal förmlich „aufgelauert“, nämlich an der U-Bahn unten am Marienplatz, an den Rolltreppen, und einen Tag später am Rosenheimer Platz, auch an der Rolltreppe, zur Abwechslung oben. Dort standen dann mehrere MitarbeiterInnen der MVG so dicht, dass wirklich niemand durch kam. Auch die Polizeipräsenz auf den Bahnsteigen hat merklich zugenommen, und mehr als einmal sah ich zwei Beamte mit einem erkennbar nicht-Europäer (waren alles Männer) von dannen ziehen.

Die “Krönung” aber erlebte ich in der S-Bahn, wo ein junger Afrikaner sehr rüde behandelt wurde, ich zitiere vollständig: „Ticket? Passport? Polizei! Raus, mitkommen.“ Und das Ganze hat nicht länger gedauert, als Ihr für die fünf Worte zum Lesen braucht. Eine Frau stand auf und bat den Angestellten um etwas mehr Einfühlungsvermögen, bekam aber auch nur eine pampige Antwort.

Meine Vermutung ist hier – leider: Schleierfahndung & Co. lassen grüßen!

Auf Nachfrage bei einer Kontrolleurin hieß es, sie dürfe dazu nichts sagen, ich solle ihren Chef fragen. Meine geäußerte Vermutung, dass das was mit der Flüchtlingssituation zu tun habe, hat sie quasi per Mimik bestätigt und sichtlich mit sich gerungen.

Mir war in allen Situationen richtig unwohl, weil es sich angefühlt hat wie „Polizeistaat“ (und so gar nicht wie Fahrscheinkontrolle), und das kann es doch nicht sein?!

Liebe Leute, wenn Ihr so was mitbekommt: Steht auf, sagt was, fragt nach! Auch das ist gelebte Willkommenskultur.

Danke! Eure Heidi

Zehn Tage nach der Wahl zur Vorsitzenden der Grünen München füllt sich der Kalender, wird Zeitungslektüre noch intensiver und die To-Do-Liste erwartbar länger. Zeit für ein erstes Resüme.

Das Team.

Es macht einfach Freude, mit mehreren an einem Strang zu ziehen: Der neue Vorstand beginnt mit der Arbeit noch vor der ersten Sitzung (hoch leben Email-Abstimmungen). Die Fraktion im Stadtrat nimmt mich sehr herzlich in ihrer ersten Sitzung auf (mit Kuchen und Sekt zu Joachim Lorenz’ Geburtstag). Beim ersten Treffen mit den MitarbeiterInnen im Stadtbüro spricht viel Erfahrung aus jedem Satz (sehr beruhigend, bei drei Wochen Urlaub der Geschäftsführerin!).

Termine, Termine.

Es ist schon erstaunlich, WIE schnell sich mein Kalender dunkelgrün einfärbt. Selbst wenn ich als Unternehmerin an (grünen) Veranstaltungen teilnehme. Landeschef Eike Halitzky überrascht mich mit einem Kaktus als Begrüßungsgeschenk (meine Interpretation: bleib stachelig, lass Blüten treiben, und zum Gießen kommste jetzt eh nicht groß). Beim gestrigen Sommerempfang “Grüne Wirtschaft” nehme ich Margarete Bauses Grüße schon routinierter entgegen. In den nächsten Wochen ist fast täglich ein grüner Termin dabei – und ich freu mich drauf!

Themen.

Man mag Ampelmännchen für “Deko” halten – ich finde dieses Zeichen für Toleranz und echte Gleichstellung jeden Euro wert. Der Kita-Streik lässt auch unsere Familie “jonglieren” – Wertschätzung für die wichtige Arbeit der ErzieherInnen drückt sich aber nun mal auch übers Gehalt aus, und es wird höchste Zeit, hier aufzustocken. Die Presse zum ersten Jahrestag der “Zweckehe mit Konfliktpotenzial” im Rathaus habe ich gelassen bis amüsiert verfolgt – das Futter für uns Grüne geht so schnell nicht aus und reicht locker für Partei und Fraktion.

Die nächsten Tage…

… nutze ich zum Einarbeiten, Reinlesen, Themen sortieren, Ideen bewerten, Termine priorisieren und organisieren. In diesem Sinne – Frohe Pfingsten!

Auf der Seite der Münchner Grünen sind die Bewerbungen für den Stadtvorstand jetzt online. Und so liest sich meine für die Stadtvorsitzende:

„München, März 2020. Grüne sind wieder Bürger-Meister. Die Grünen feiern ihren Wiedereinzug ins Bürgermeister-Büro mit einer Radl-Sternfahrt zum Rathaus. ‚Wir konnten die Münchner Wählerschaft überzeugen: Ökologische Stadtentwicklung gibt es nur mit dem Original! ‘ kommentiert die Fraktionsspitze das Ergebnis der Kommunalwahl.“

Liebe Freundinnen und Freunde, so oder so ähnlich wünschen wir uns wohl alle die Pressemeldungen in knapp fünf Jahren. Und wir wissen: Das Rennen hat längst begonnen. Ich trete an, als Stadtvorsitzende die nächste Runde mit Euch gemeinsam zu gehen. Ganz im Sinne eines meiner liebsten afrikanischen Sprichworte: „Wenn Du schnell gehen willst, dann gehe alleine, aber wenn Du weit gehen willst, dann geh mit anderen.“

Drei Dinge möchte ich dabei in den Mittelpunkt stellen:

Unsere Kernthemen. München wächst. Und damit auch die Herausforderungen an Umwelt- und Klimaschutz: Wie erhalten wir Grünflächen? Wie halten wir den Verkehr im Zaum und die Luft ausreichend sauber? Wo können wir kreativ, wo müssen wir mahnend eingreifen? Wie schützen wir uns dauerhaft vor der dritten Startbahn? Und wer braucht all diese Plastiktüten? Das ruft doch alles nach Grünem Handeln, um Alt- wie Neu-MünchnerInnen die grüne Lebensqualität in ihrer Stadt zu sichern!

Unser Ringen um Konzepte. Ob Wohnen, Verkehr oder Kultur – es geht um mehr als um Wohnraum, Radlweg und Konzertsaal. Es geht um ökologisches Bauen, um Unterstützung von Genossenschaften über städtische Grundstücke, um lebendige Quartiere, um das Mitwachsen der Infrastruktur in und um nachverdichtete Viertel. Es geht um mehr Mut zu modernen Verkehrslösungen – Haben wir nicht alle eine „Rosenheimer Straße“ vor der Haustür? Es geht um die Vision für ein Kulturhaus für Konzerte plus x, das Menschen vom Sofa holt, nicht um einen Standort. Mir geht es um die Frage: Was fehlt einer Stadt wie München wirklich?

Unser Ohr am Puls der Stadt. „Bürgerbeteiligung“ schreibt niemand so groß und nimmt keineR so wörtlich wie wir. Weil wir aus der Bürgerbewegung entstanden sind und ihr bis heute nahe stehen. Ich will echte Bürgerbeteiligung, keinen mutlosen „Bürgerhaushalt light“. Ich freu mich auf die „ShabbyShabby Apartments“, den CSD und die Radlnacht. Gemeinsam mit anderen und geschlossen als Grüne will ich klare Zeichen setzen. Wer wenn nicht wir Grünen soll denn den Finger in die Wunden legen, die die GroKo so regelmäßig offenlegt? Lasst uns das aufnehmen und gezielt für uns nutzen!

WIR sind die Öko-Partei. WIR sind die Konzept-Partei. Und WIR sind die Beteiligungs-Partei. Ich will das mit Euch nach draußen tragen – in guter grüner Manier, mutig und frech. Mit offenen Ohren, wachem Verstand und dem Herzen am richtigen Fleck.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle Fähigkeiten haben, um politisch erfolgreich zu sein. Wenn alle Räder richtig ineinander greifen, kommt an uns so schnell niemand vorbei.

Dafür will ich mich als Eure Stadtvorsitzende einsetzen. Mit klaren Positionen und bohrenden Fragen, mit frischen Ideen und kreativen Lösungen, mit langem Atem und nötigem Biss. Und vor allem: mit Euch! Dafür bitte ich am 11. Mai um Eure Stimme.

Eure Heidi

14.04.2015

Ich kandidiere.

Diese Website lag eine Weile brach. Genauer seit der Landtagswahl 2013. Der letzte Blogeintrag hieß “Nach der Wahl ist vor der Wahl”. Was liegt also näher, als zur nächsten Wahl Seite und Blog zu reanimieren?

Am 11. Mai wählen die Münchner Grünen einen neuen Vorstand. Zur Wahl stehen die Positionen der Stadtvorsitzenden (Doppelspitze), des/der SchatzmeisterIn sowie drei BeisitzerInnen.

Ich trete an, Stadtvorsitzende der Münchner Grünen zu werden.

Bis zum Wahltermin ist es noch eine Weile hin, aber so peu à peu stelle ich hier schon mal auf “Wahlmodus” um. Schaut also gerne ab und an vorbei, lest Euch durch die Seiten oder macht einen Abstecher auf die Website der Münchner Grünen. Dort werden alle Bewerbungen veröffentlicht. Der Countdown läuft, und ich bin sehr gespannt auf die Runde der Kandidierenden für den nächsten Vorstand.

So long, Eure Heidi

 

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