15.03.2012

Jammern auf hohem Niveau

Im Wirtschaftsteil der heutigen Süddeutschen Zeitung klagt Eon-Chef Teyssen über “den ersten Milliardenverlust in der Konzerngeschichte”. An der Börse steigt die Aktie indes um rund sieben Prozent. Was sagt mir dieser Artikel?

1. Verlust ist relativ.

Klar, 2,2 Milliarden Euro Verlust in einem Jahr – das ist ne Stange Holz, und das will auch erst mal verkraftet werden. Aber: Nur ein Jahr vorher erwirtschaftete derselbe Eon-Konzern fast sechs Milliarden Euro Gewinn. Macht in den letzten zwei Jahren unterm Strich einen Gewinn von 3,8 Milliarden, also im Schnitt 1,9 Milliarden Euro plus. Das hört sich durchaus passabel an.

2. Mit Stellenabbau spielt man nicht.

Die Energiewende ist Schuld: Eon will allein in Deutschland 6000 Arbeitsplätze streichen. Ja klar: Wenn irgendwas nicht nach Plan läuft, sind als erstes die Mitarbeiter dran. Das ist uninspiriert und entbehrt jeder Verantwortung!Vor allem, wenn wir diese kleine Rechnung von eben mal kurz mit einbinden: 1,9 Milliarden Euro Gewinn sind kein Grund für Stellenabbau! Da hat Eon schon an anderer Stelle geschlafen.

3. Der Staat ist nicht immer der Böse.

Ja, wir können der CDU-Regierung viel vorwerfen. Auch in ihrer Atompolitik. Die Brennelemente-Steuer als “Abschöpfe” zu bezeichnen, geht mir aber deutlich an der Sache vorbei: Sie deckt lediglich die Kosten für die Atommüll-Entsorgung, und ob die Steuer diese Kosten wirklich decken kann, weiß keiner genau zu sagen. Übernehmen Sie die Entsorgung doch einfach selbst, Herr Teyssen. Dafür würde ich Ihnen sogar die Steuer erlassen. Rechnen Sie lieber noch mal nach.

4. Wer den Trend verpennt, ist zu weich gebettet.

Es könnte doch alles so schön sein: Vier Energieriesen teilen sich den Markt auf, und die Verbraucher verbrauchen  Strom ohne Ende. Und dann? Kommen diese Erneuerbaren daher, und diese Effizienzdiskussionen. Und kein steigender Energiebedarf mehr in Europa in Sicht. Das Tragische daran ist maximal, dass sich Eon hiervon überrascht zeigt. Und die Energiewende zum Sündenbock ihrer eigenen Trägheit erklärt. Sollten sie sich tatsächlich rausbewegen aus ihrer angestammten Komfortzone?

5. An Bedarf fehlt es nicht.

Konzernchef Teyssen will Eon jetzt noch stärker auf Erneuerbare ausrichten. Klar, was sonst? Und besser später als gar nicht. Und sich auf Märkte begeben, deren Hunger nach Energie schier unendlich erscheint. Na bitte, geht doch! Aber tun Sie mir einen Gefallen, Herr Teyssen: Setzen Sie auf den Mega-Märkten Russland, Indien, Brasilien bitte GLEICH auf Erneuerbare! Und bleiben Sie wachsam: So gemütlich, wie Sie es sich bis jetzt auf dem deutschen Energiemarkt machen konnten, dürfte es kaum mehr werden. Egal wo auf dieser Welt.

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