1.07.2015

“Ticket? Passport? Polizei!”

Drei Worte, mehr befand der Kontrolleur offenbar nicht für nötig: “Ticket? Passport? Polizei!” Und schon war er draußen mit dem jungen Afrikaner, der kaum verstand, was da passierte. Ich verstand die drei Worte, ich verstand den Subtext. Und ich war sprachlos. Das war keine normale Ticketkontrolle in der S-Bahn, das grenzt an Racial Screening. Polizeistaat-Feeling. Schleierfahndung.

In S- und U-Bahnen werden in letzter Zeit verschärft Fahrkarten kontrolliert, mir persönlich wurde in den letzten Tagen schon zwei Mal förmlich „aufgelauert“, nämlich an der U-Bahn unten am Marienplatz, an den Rolltreppen, und einen Tag später am Rosenheimer Platz, auch an der Rolltreppe, zur Abwechslung oben. Dort standen dann mehrere MitarbeiterInnen der MVG so dicht, dass wirklich niemand durch kam. Auch die Polizeipräsenz auf den Bahnsteigen hat merklich zugenommen, und mehr als einmal sah ich zwei Beamte mit einem erkennbar nicht-Europäer (waren alles Männer) von dannen ziehen.

Die “Krönung” aber erlebte ich in der S-Bahn, wo ein junger Afrikaner sehr rüde behandelt wurde, ich zitiere vollständig: „Ticket? Passport? Polizei! Raus, mitkommen.“ Und das Ganze hat nicht länger gedauert, als Ihr für die fünf Worte zum Lesen braucht. Eine Frau stand auf und bat den Angestellten um etwas mehr Einfühlungsvermögen, bekam aber auch nur eine pampige Antwort.

Meine Vermutung ist hier – leider: Schleierfahndung & Co. lassen grüßen!

Auf Nachfrage bei einer Kontrolleurin hieß es, sie dürfe dazu nichts sagen, ich solle ihren Chef fragen. Meine geäußerte Vermutung, dass das was mit der Flüchtlingssituation zu tun habe, hat sie quasi per Mimik bestätigt und sichtlich mit sich gerungen.

Mir war in allen Situationen richtig unwohl, weil es sich angefühlt hat wie „Polizeistaat“ (und so gar nicht wie Fahrscheinkontrolle), und das kann es doch nicht sein?!

Liebe Leute, wenn Ihr so was mitbekommt: Steht auf, sagt was, fragt nach! Auch das ist gelebte Willkommenskultur.

Danke! Eure Heidi

Kommentare

Gibt es sowas wie eine juristische Grundlage, auf die man sich beziehen kann, wenn der “Kontrollierte” wünscht, dass man als Zeuge mitkommt?

Hallo Heidi
Zum Monatswechsel sind immer vermehrt Kontrolleure unterwegs, gut, die von Dir beschriebene Behandlung eines jungen Afrikaners ist nicht sonderlich nett… So sollte das natürlich nicht ausarten. Aber ich denke hier hilft eine Ansage an die MVG! Ich fahre fast täglich mit dem Meridian und habe schon oft erlebt, wie das Zugpersonal – auch Nicht-Europäern – geholfen hat doch noch zu einem Ticket zu kommen, wenn der oder diejenige es einfach nicht kapieren will mit dem einfachem System von Zonen, Ringen, Bayern-Ticket, BOB-Ticket nicht im Zug lösbar, etc. etc..
Gruß
Klaus

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