2.10.2015

“Wir sind am Limit”

Ich blogge wirklich selten spontan. Heute muss ich. In der SZ von heute steht gleich auf der ersten Seite zu lesen: „Die anhaltend hohen Flüchtlingszahlen lassen in Deutschland den Ruf nach einer Kursänderung in der Asylpolitik lauter werden …Mitglied der SPD-Fraktionsspitze …Ende der ungesteuerten Zuwanderung… „Wir sind am Limit“

Bisher hat diese Tonart die CDU belegt, allen voran ihre „Schwesterpartei“ CSU. Familie kann man sich nicht aussuchen. Oder doch? Noch eine Partei mit dieser Intonation braucht`s nun wirklich nicht!

Dann heißt es weiter: „Die EU-Außengrenzen müssen möglichst dichtgemacht, das heißt gesichert und kontrolliert werden“. Alle europäischen Länder müssten für diesen „Kraftakt“ zusammenarbeiten.“

Liebe SPD Fraktionsspitze, es braucht ein europäisches Handeln, keine Frage. Alle Länder sind gefragt zu helfen. Nur:

Grenzen dicht machen hilft nicht! Weil es nicht an die Ursachen geht.

Nicht an die für den Krieg in Syrien (Waffenexporte kann man auch verbieten für die nächsten Jahrzehnte. Ausnahmslos.), nicht für die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“ (Wenn durch die Fangquote für die europäischen Flotten vor der westafrikanischen Küste nichts mehr für die lokalen Fischer übrig bleibt, ist die Quote falsch bemessen und eine Armutsbeschaffungsmaßnahme! Wenn jetzt Fischer, die keine Fische mehr finden, ihre Boote umfunktionieren, um überleben zu können, ist das kein Wunder. Es ist das Echo, das an den Stränden der Kanaren landet! In Europa nennt man das „Geschäftsfeldanpassung“)

Es steht schon auch im Artikel „Zudem sollen die Fluchtursachen bekämpft … werden“. Nächster Satz spricht von „keine schnellen Ergebnisse“.

Wir haben es verpennt, zu lange zugesehen, zu wenig Leidensdruck gehabt. Das ist das, was ich da rauslese. Und ich schäme mich für dieses Wegschauen, für das Baden im eigenen Wohlstand, für dieses „noch ist deren Problem größer als meines“. Und wenn es dann doch zu uns kommt, dieses „Problem“ – wir erinnern uns, hier kommen Menschen an, die vor dem Krieg in ihrer Heimat flüchten – dann ja dann legen wir viel Energie darauf, die Grenzen zu sichern. Es ist kaum auszuhalten.

Im wahrsten Sinne P.S., weil es mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf ging:

Wenn wir mit irgendwas am Limit sind, dann mit den Kapazitäten der Ehrenamtlichen, der Freiwilligen und der Kommunen, die aufgefangen haben und immer noch ausgleichen. Die gottlob einfach machen, weil es nötig ist, während zuständige Minister immer noch staunend vor den Zahlen sitzen und die Lösung an den Außengrenzen der EU suchen, die es abzusichern gilt. Damit nicht am Ende doch noch sie es sind, die Verantwortung übernehmen und handeln müssen.

Kennt Ihr noch das Kinderspiel “Reise nach Jerusalem”? Ein Stuhl weniger als Kinder stehen in der Mitte, alle laufen zu Musik im Kreis um die Stühle herum. Und wenn die Musik stoppt, müssen sich alle setzen. Wer keinen Stuhl findet, scheidet aus. Und wer den letzten Stuhl erwischt, ist Sieger. So ungefähr soll das wohl laufen, wenn man Herrn Uhl so zuhört: Erst raus aus Deutschland, dann aus Österreich, immer ein Land weiter. Bis zum Mittelmeer. Nur dann haben alle das Spiel verloren.

Kommentare

Du hast meine volle Zustimmung. Zu lange haben die entwickelten Industrieländer nur an Ihren eigenen Wohlstand gedacht und Bodenschätze, Naturprodukte usw. aus afrikanischen Ländern herausgeholt und nicht die Entwicklung wirtschaftlicher Grundlagen vorangetrieben, so dass uns jetzt die Folgen auf die Füße fallen, zumal wir auch durch Waffenlieferungen nicht gerade zur friedlichen Entwicklung in diesen Ländern beigetragen haben. Jetzt ist es schwer diese katastrophale Entwicklung zu bremsen.

Wenn nur den G7 und UN Beschlüssen endlich Taten folgen würden. Den Freihandelsvertrag EPA, den die EU mit Afrikanischen Staaten kürzlich abgeschlossen hat unter die Lupe zu nehmen und anzupassen, wär ja schon mal einer dieser vielen Schritte, es zu machen gibt.

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