22.11.2015

Grüner wirtschaften: grün gründen!

Gründen ist eine feine Sache. Grün gründen ist großartig. Und verdient Unterstützung. Was genau wir Grüne vorhaben, war Teil des Antrags „Grüner wirtschaften – Klima schützen“ auf dem Bundesparteitag in Halle. Mit mehr Losglück wäre das mein Redebeitrag gewesen:

Liebe Freundinnen und Freunde,

in unserem Antrag „Grüner Wirtschaften“ widmen wir ein Kapitel den Gründungen innovativer Unternehmen. Das ist richtig und wichtig, um auch die Wirtschaftswelt ein Stück grüner zu machen. Und es passt gut zu unserem Motto „Mit Mut im Bauch.“

Ja, gründen braucht Mut.

Ich bin Unternehmerin. Vor acht Jahren habe ich meine Anstellung in einer großen Firma gekündigt und mein eigenes Unternehmen gegründet. Ich wollte Strom nach Afrika bringen, in den Senegal. Strom aus Erneuerbaren, klar. Erst in Dörfer, dann für Gewerbegebiete. Für Jobs und Einkommen vor Ort.

Es gibt einfachere Geschäftsmodelle als meines.

Rede BDK15Aber ich tue, was ich tue, bis heute mit aller Leidenschaft, nicht trotz, sondern wegen aller Höhen und Tiefen, die zum Unternehmertum nun mal gehören. Und ich will nichts davon missen!

Solarstrom für Senegal – das klingt nach „grünem Wirtschaften“, und das ist es ja auch. Die meisten finden das jetzt wahrscheinlich spannend, oder „mal was ganz anderes“ – das sind die häufigsten Reaktionen, wann immer ich davon erzähle.

Dicht gefolgt von: Und wenn das schief geht? Ist das nicht total unsicher? Ach das dauert doch bestimmt ganz lang, bis da was läuft.

Die meisten Unternehmer-Kolleg*innen sagen: Das gehört zusammen!

Was heißt denn „Unternehmertum“?

Am besten finde ich die Beschreibung meines Mentors Thomas Göller, ich zitiere:

„Es geht um den Mut, Dinge zu tun, die viel Vorbereitung und Planung brauchen. Es geht um den Mut, Dinge anzupacken und zu tun. Es geht um den Mut, Neues zu wagen und dabei das unternehmerische Risiko zu minimieren. Auf die Gefahr hin zu scheitern.“

Wer versteht das besser als wir Grünen? Wir sind oft den ersten Schritt gegangen, meistens allein. Wir sind hingefallen und wieder aufgestanden, um den gerne langen Weg immer weiter zu gehen. Gegen den Strom, mit Gegenwind – Wir können dicke Bretter bohren!

Und deshalb ist es auch so logisch: Wir wollen innovative Gründungen unterstützen. Wir wollen ermutigen, neue Wege zu gehen und Geduld zu haben.

Im Senegal sagt man: Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Schön, oder? Das hilft mir oft, geduldig zu sein. Wenn ich aber sehe, dass das Gras immer weniger wird, weil der Klimawandel so kurz überm Äquator schon mal härter und unerbittlicher anklopft als bei uns, dann hab ich keine Geduld. Dann hab ich Wut im Bauch!

Aber zurück zu unseren Gründungen.

Gute Anreize zu gründen wären aus meiner Sicht eine fachliche Begleitung, vor allem der vielen „All-in-one-Unternehmer*innen”. Und eine soziale Absicherung für Start-up-Unternehmen.

In den USA ist es übrigens leichter, Investoren zu finden, wenn man schon mal eine Pleite hingelegt hat. Weil man dann wüsste, welche Fehler man besser nicht noch mal macht.

Ich wünsche mir eine Gründerszene, die auch einen zweiten Anlauf cool findet.

Und in der man dabei nicht alleine ist. Wenn es auch bei uns gesellschaftlich anerkannt wird, dass nicht jede Gründung klappt, wären vielleicht mehr Leute gründungswillig.

Hier können wir Grüne mit den richtigen Instrumenten und mit gutem Beispiel vorangehen. Denn von langem Atem verstehen wir was!

PS: Das Foto im Beitrag stammt von Peter Heilrath und von meiner Rede zur Zeitpolitik. Danke für den Klick im richtigen Moment, lieber Peter!

Kommentare

Es gibt so viele Grün denkende Unternehmen und UnternehmerInnen, dass es sich langsam lohnen könnte die IHK-Wahlen mal als Grüne Liste anzugehen.
Ala Grüne Wirtschaft Österreich. Und gemeinsam mit Unternehmensgrün.de.
2016 sind IHK-Wahlen in München/Bayern, wenn ich mich nicht irre. Auch dort gilt es dicke Bretter zu bohren. Und einen breiten Mulitiplikator.

Gute Idee, Rudi Seibt. Solange wir die Kammerpflicht haben – deren Abschaffung wir Grüne und ich auch persönlich unterstützen, wäre eine Grüne Liste schon sinnvoll. Mögen Sie das vielleicht direkt in die Hand nehmen?

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